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Bargeld und Daten­schutz Teil 2

In dem Artikel „Bargeld und Daten­schutz“ vom Februar 2016 im DsiN-Blog wurde die öffentlich dis­ku­tierte Ober­grenze bei Bargeld-Zah­­lungen the­ma­ti­siert und die Chancen und Risiken für Staat und Ver­braucher beleuchtet.

Auf Grund der nicht zu unter­schät­zenden Aus­wir­kungen hin­sichtlich Sicherheit und Daten­schutz macht es Sinn, die Ent­wicklung weiter zu beob­achten. Viele Anzeichen sprechen dafür, dass der Trend zur Abschaffung des Bar­gelds anhält. Zwei davon werden nach­folgend kurz skizziert.

 1.         Angebot und Nachfrage

Während das Bargeld in Deutschland, Öster­reich, Slo­wenien, Bal­tikum und Zypern derzeit noch als unein­ge­schränktes gül­tiges Zah­lungs­mittel gilt, haben andere Staaten der EU bereits Höchst­grenzen ein­ge­führt oder sind kurz davor, dies umzu­setzen. Doch auch wenn deutsche Bürger noch ver­gleichs­weise kon­ser­vativ am Bargeld hängen, so ist sich Günther Oettinger, EU-Kom­­missar für Digitale Wirt­schaft und Gesell­schaft, offenbar sicher, dass das Bargeld aus­sterben wird. Aller­dings anders als ursprünglich gedacht nicht durch regu­la­to­ri­sches Ein­greifen, sondern durch die sin­kende Nach­frage nach Bargeld und die schritt­weise Ver­la­gerung von Finanz-Tran­s­ak­­tionen in die digitale Welt.

Genährt wird diese Ein­schätzung durch die zuneh­mende Ver­breitung tech­ni­scher Methoden als alter­native Mittel zum Tausch oder der Bezahlung von Pro­dukten und Dienst­leis­tungen, gepaart mit der fort­schrei­tenden Kri­mi­na­li­sierung und Stig­ma­ti­sierung des Bar­gelds als Mittel zur Geld­wäsche, Ter­ror­fi­nan­zierung und Steu­er­hin­ter­ziehung, aber auch als scheinbare Gefahr für die Gesundheit in Form von Bak­terien auf Münzen und Geldscheinen.

Mit wach­sender Popu­la­rität von Smart­phone & Co. steigt ins­be­sondere bei jungen Anwendern die Bereit­schaft, damit auch Zah­lungs­vor­gänge durch­zu­führen. Pas­sende Apps stehen zur Ver­fügung, digitale Zah­lungen so einfach und (hof­fentlich) sicher wie möglich zu unter­stützen. So ermög­licht zum Bei­spiel Swish, ein von meh­reren Groß­banken gegrün­detes Gemein­schafts­un­ter­nehmen mit offener Infra­struktur, durch die gleich­namige App eine sichere mobile Echt­zeit­über­weisung von Geld­be­trägen zwi­schen zwei mit­ein­ander ver­bun­denen Smart­phones. Auch die Bezahl-App Venmo gilt zwi­schen­zeitlich als eta­blierter P2P-Payment-Dienst bei jungen Ame­ri­kanern mit enormen Wachs­tums­raten, die gemäß dem Martkfor­schungs­dienst BI Intel­li­gence mit denen von Facebook und Instagram ver­gleichbar sind. Dass kirch­liche Spenden in Schweden bereits durch soge­nannte Kol­lek­to­maten digital ein­ge­sammelt werden, soll hier nur am Rande erwähnt werden.

Neben den heute bereits selbst­ver­ständ­lichen bar­geld­losen Zah­lungs­al­ter­na­tiven wie Kre­dit­karte, PayPal, kon­takt­loses Bezahlen via NFC etc. kommen zunehmend auch bio­me­trische Ver­fahren ins Gespräch. So testete zum Bei­spiel Schweden bereits 2014 die Bezahlung mittels gescannter Handvene, die analog zum Fin­ger­ab­druck ein ein­zig­ar­tiges und unver­än­der­liches Muster dar­stellt. Geht man von einer Fort­führung dieser Trends aus, scheint sich die Annahme von Herrn Oettinger zu bewahr­heiten. Denn digi­tales Bezahlen wird unge­achtet der Risiken für den ein­zelnen Ver­braucher offenbar immer ein­facher und attrak­tiver gestaltet.

2.         Zins­po­litik

Nach den Äuße­rungen von EZB-Prä­­sident Mario Draghi zu urteilen, ver­sucht die Euro­päische Zen­tralbank durch Zins­sen­kungen die Kon­junktur anzu­kurbeln und der Gefahr einer Deflation ent­ge­gen­zu­wirken. Nega­tiv­zinsen auf Bank­gut­haben sollen Ver­braucher zum Konsum bewegen. Darüber hinaus zielt die Zins­po­litik darauf, die derzeit extrem niedrige Teue­rungsrate zu sta­bi­li­sieren und wieder auf ca. 2 % anzuheben.

Kri­ti­schen Stimmen von Uni­ons­po­li­tikern ent­gegnete Herr Draghi auf einer Rats­sitzung in Frankfurt, dass die EZB den Auftrag habe, die Preis­sta­bi­lität für die gesamte Eurozone zu wahren, nicht nur für Deutschland. Als Folge dieses schlei­chenden Ver­mö­gens­schwunds haben viele Deutsche ihr Ver­mögen in Form von Bargeld, Schmuck oder Gold dem unmit­tel­baren Ein­fluss­be­reich der Banken ent­zogen. Die aktuelle Knappheit von Schließ­fä­chern bestätigt diese, der Zins­po­litik gegen­läu­figen Ent­wicklung. Denn auf darin gebun­kerte Ver­mö­gens­werte können keine Nega­tiv­zinsen erhoben werden und der Ver­braucher kann somit auch nicht zum Konsum gezwungen werden, um dem Wert­verfall zu entgehen.

Doch erste Gegen­re­ak­tionen sind bereits erkennbar. So sollen in Grie­chenland gemäß einem Gesetz­entwurf Ver­mö­gens­werte in Form von Bargeld, Schmuck und Gold, die außerhalb von Banken auf­be­wahrt werden, bald anmel­de­pflichtig sein. Ist dieses Ver­mögen erst einmal regis­triert und per­so­na­li­siert, könnten darauf erhobene Steuern und Abgaben die ent­lau­fenen Schäfchen zwingen, wieder in ihren Stall zurück­zu­kehren. Auch die Schweiz bleibt offen­sichtlich nicht untätig und plant seitens der Schweizer Noten­banken SNB, größere Bar­geld­ab­he­bungen zu erschweren.

Fazit:

Die beiden Bei­spiele ver­deut­lichen, wohin die Reise zu gehen scheint, wobei skan­di­na­vische Länder derzeit noch als Vorbild dienen: immer weniger Bargeld im Umlauf, stei­gende Straf­zinsen auf Bank­gut­haben, Zuwachs an Qua­lität und Quan­tität alter­na­tiver bar­geld­loser Zah­lungs­me­thoden, zunehmend argu­men­tative Ver­un­glimpfung von Bargeld, aber auch neue Gesetze, wie zum Bei­spiel zur Gläu­bi­ger­be­tei­ligung, um Kon­to­in­haber noch vor dem Staat für marode Banken mit­haftbar zu machen. Die mög­lichen Risiken für den ein­zelnen Ver­braucher zeichnen sich ebenso deutlich ab: Abhän­gigkeit, Über­wa­chung und Bevor­mundung. Die Taktzahl erhöht sich. Es bleibt wei­terhin spannend.

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Robert Lederer, DATEV eG

Dipl.-Betriebswirt (FH), Dipl.-Wirtschaftsinformatiker (FH), zer­ti­fi­zierter Daten­schutz- und IT-Security Auditor (TÜV), 5 Jahre Pro­jekt­leiter für attri­butive Qua­li­täts­si­che­rungs­systeme mit sta­tis­ti­scher Pro­zess­kon­trolle in der Auto­mobil-Industrie, seit 1995 bei DATEV eG, zunächst zuständig für Pro­dukt­mar­keting und Service MS-Office-Pro­dukte und Doku­men­ten­or­ga­ni­sation im Geschäftsfeld Eigen­or­ga­ni­sation, seit 2000 tätig für Vor­stands-Kor­re­spondenz, Qua­li­täts­ma­nagement und Reporting in der Stabs­stelle „Service Quality Management“ beim Bereichs­vor­stand Service und Ver­trieb der DATEV eG, seit 2002 dort als Fach­be­rater und Bereichs­be­auf­tragter zuständig für den Datenschutz.

 

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