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Die Ver­schmelzung von Mensch und Maschine

Internet of us

Aus dem Internet der Dinge for­miert sich all­mählich ein neuer Trend: das „Internet of Us“. Was bislang Hol­­lywood-Blo­ck­­bustern und Science-Fiction-Romanen vor­be­halten war, wird im 21. Jahr­hundert immer mehr zur Rea­lität: die Ver­schmelzung von Technik und Körper!

Unser Körper, Teil des Internets?

Bereits heute tragen immer mehr Men­schen aus medi­zi­ni­schen Gründen kleine tech­no­lo­gische Implantate in ihren Körpern, die ihnen helfen besser zu hören oder zu sehen, Herzen am Laufen halten, die Bauch­spei­chel­drüse mit Insulin ver­sorgen oder gar tiefe Hirn­re­gionen stimulieren.

Andere, soge­nannte „Smart Humans“ gehen sogar noch einen Schritt weiter und lassen sich frei­willig Chips in ihre Körper implan­tieren, die ihren Alltag erleichtern sollen. So kürzlich in Schweden geschehen, wo sich die Mit­ar­beiter des Büro-Kom­­plexes Epi­c­center seit Februar dieses Jahres einen RFID-Chip unter die Haut pflanzen lassen können, der sowohl als Schlüssel für den Büro­komplex dient als auch zur per­sön­lichen Veri­fi­zierung ein­ge­setzt werden kann. Der Chip hat die Größe eines Reis­korns und wurde den teil­neh­menden Mit­ar­beitern auf dem Hand­rücken zwi­schen Daumen und Zei­ge­finger unter die Haut ein­ge­pflanzt. Aus­ge­rüstet ist der Mikrochip mit einer soge­nannten Nah­feld­kom­mu­ni­kation, die tech­nisch auf einer kon­takt­losen Chip­kar­ten­tech­no­logie basiert. Sobald eine mit dem RFID-Chip ver­sehene Person in die Nähe eines Lese­ge­rätes oder eines anderen Emp­fängers kommt, ist sie auch schon iden­ti­fi­ziert. Die Besitzer des RFID-Chips in Schweden können mit eben diesem jetzt also nicht nur die Türen ihres Büros ohne Schlüssel öffnen, sondern auch die Drucker im Haus wie „von Geis­terhand“ bedienen. Doch damit nicht genug. In naher Zukunft soll der Chip mit wei­teren Fea­tures aus­ge­stattet werden. So soll dieser bei­spiels­weise in dem Café des Büro­kom­plexes zukünftig auch als legitime Zah­lungs­weise oder zur auto­ma­ti­schen Ent­sperrung des Fir­men­handys benutzt werden können.
 
Bio-Hacking

„Bio-Hacking“ nennt man diesen Trend und meint den Ein­griff in bio­lo­gische Pro­zesse und trans­humane Ver­än­de­rungen durch Chip­im­plantate unter Berück­sich­tigung der Hacker-Ethik. Eine Ent­wicklung, die in den letzten Jahren stark an Popu­la­rität zuge­nommen hat. Man kann darin viele neue Mög­lich­keiten sehen, wie Men­schen mit­hilfe digi­taler Erwei­te­rungen über gestei­gerte oder zusätz­liche Fähig­keiten ver­fügen und ein Viel­faches leisten können. Gleich­zeitig wächst aber auch die Sorge, über die Sicherheit dieser per­sön­lichen, im Körper implan­tierten Daten. Offen ist außerdem die Frage, welche Kon­se­quenzen sich daraus ergeben, wenn man private Schlüssel unter der Haut trägt. Kann ein Dritter durch Hand­schlag eine vir­tuelle Kopie von mir werden? Wer folgt dann meinen Spuren?
 
Infor­ma­ti­ons­si­cherheit

Den hei­kelsten Punkt solcher Tech­no­logien — ob nun implan­tiert oder nicht — stellt die Infor­ma­ti­ons­si­cherheit dar. Es geht um die Frage, wer auf per­sön­liche Daten zugreifen kann und ob das der Chip­träger über­haupt mit­be­kommt und gestattet. Die geäu­ßerte Kritik am „Bio-Hacking“, auch von Seiten der Arbeit­neh­mer­ver­tretung in Schweden oder auch hier in Deutschland ist deshalb sehr ver­breitet. Nicht nur, dass durch den Einsatz von der­ar­tigen Chips per­sön­liche Ver­hal­tens­muster erstellt werden könnten, es bestünde auch die Gefahr einer Voll­über­wa­chung am Arbeits­platz oder noch schlimmer in der Öffent­lichkeit. Der Einsatz solcher Chips würde damit ins­gesamt im Wider­spruch zum Per­sön­lich­keits­recht eines jeden Ein­zelnen stehen. Auch das Risiko des Miss­brauchs solcher Tech­no­logien ist an dieser Stelle nicht von der Hand zu weisen. Denn der Chip würde sämt­liche Daten eines Lebens spei­chern und könnte im schlimmsten Fall bereits im Vor­bei­gehen oder beim Hän­de­schütteln aus­ge­lesen werden. Was genau kri­mi­nelle Zeit­ge­nossen dann mit diesen voll­stän­digen, gestoh­lenen Iden­ti­täten anstellen könnten, bleibt an dieser Stelle Ihrer Fan­tasie überlassen.
 
Chips für jeden EU-Bürger

Wer jetzt aber denkt, Schweden sei weit weg und diese Chip-Implantate für eine ver­rückte Idee einiger weniger Spinner hält, sei daran erinnert, dass ein solches Ver­fahren hier­zu­lande bereits seit einiger Zeit bei Haus­tieren gang und gäbe ist. Chips im Ohr oder als Implantate im Körper spei­chern die Iden­ti­täts­nummer des Tieres, Angaben zum Besitzer und die Behand­lungs­daten des Tier­arztes. Warum sollte also beim Men­schen nicht auch funk­tio­nieren, was bei Vier­beinern längst Standard ist? So wird zum Bei­spiel neben der tat­säch­lichen Umsetzung in Schweden seit einiger Zeit auch in der EU darüber dis­ku­tiert, ob ein EU-Standard-Chip even­tuell irgendwann den Per­so­nal­ausweis der EU-Bürger ersetzen könnte. Sodass bei Unfällen die Iden­tität einer Person sofort fest­zu­stellen wäre und mit­tel­fristig sogar Check­karten und Kre­dit­karten über­flüssig würden, da sich ja dann jeder EU-Bürger durch den in seinem Arm imple­men­tierten Chip in jedem Geschäft ein­deutig aus­weisen könnte. Doch wo genau zieht man hier die Grenze?

Fazit

Der tech­no­lo­gische Fort­schritt lässt sich nicht auf­halten. Chip-Implantate in mensch­lichen Körpern sind nicht länger aus­schließlich die Phan­tasie von Dreh­buch­au­toren oder Science-Fiction-Fans, sondern gehören heute, wie das Bei­spiel in Schweden zeigt, zu unserer Rea­lität. Ob sich der Einsatz eines solchen RFID-Chips beim Men­schen jedoch letzt­endlich in Deutschland eta­blieren kann, ist (zum Glück) stark anzu­zweifeln. Denn hier­zu­lande exis­tiert im Gegensatz zu Schweden eine solide Grundlage bezüglich des Datenschutzes.

Bei aller Fas­zi­nation für dieses Thema sollte eine Dis­kussion, wie weit die Technik in die Natur des Men­schen über­haupt ein­greifen sollte und was diese mit uns Men­schen machen wird, auf keinen Fall aus­bleiben. Es ist nur zu hoffen, dass zukünftig bei Debatten um das Thema „Bio-Hacking“ die Sicher­heits­fragen im Vor­der­grund stehen werden, denn die Mög­lich­keiten, die sich ohne aus­rei­chende Sicher­heits­vor­keh­rungen für einen Daten­miss­brauch ergeben können, wären kata­strophal. Ich jeden­falls hoffe, dass manche Science-Fiction Idee reine Phan­tasie bleibt. Oder wie würden Sie sich ent­scheiden? Wie weit würden Sie gehen?

Bild: ©  mor­gani­mation / Fotolia.com

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Nina von Racknitz, DATEV eG

Nina von Racknitz stu­dierte Sozi­al­wis­sen­schaften an der WISO in Nürnberg und an der Lund Uni­versity in Schweden. Bevor sie im Juli 2013 als Refe­rentin Kom­mu­ni­kation bei der DATEV ein­stieg, sam­melte sie zahl­reiche Erfah­rungen im Bereich Mar­keting und Public Rela­tions. Ihre Aufgabe bei DATEV ist die Kom­mu­ni­kation und Ver­marktung der IT-Sicher­heits­lö­sungen auf dem Unternehmensmarkt.

 

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