DsiN-Blog

Der IT-Sicher­heitsblog für den Mit­tel­stand

Themen

Tipp des Monats

Machen Sie in nur zehn Minuten den IT-Sicher­heits­check von Deutschland sicher im Netz. Der Test liefert Hand­lungs­emp­feh­lungen, mit denen Sie die eigene IT-Sicher­heitslage ver­bessern können.

News­letter

Um neue Bei­träge regel­mäßig zu erhalten, können Sie hier unseren News­letter abon­nieren:

Angriff auf das Papier-Ori­ginal

Seit einigen hundert Jahren ver­lassen wir uns im Zweifel auf das „Ori­gi­nal­do­kument“ mit der „hän­di­schen Unter­schrift“.
Poli­ti­scher Wille stellt nun diese Exklusiv-Bewertung hin­sichtlich des Beweis­wertes in Frage. Endlich!

Obwohl die tech­ni­schen Richt­linien des BSI grund­sätzlich keine direkt nor­mative Wirkung ent­falten, so ist doch eine Beweis­wert­erhöhung zu erwarten, wenn deren Ein­haltung im Rechts­streit nach­weisbar ist. Eine neue BSI-Rich­t­­linie namens RESISCAN will nun Ori­en­tierung für die­je­nigen bieten, die das Papier nach dem Scan-Vorgang ver­nichten wollen, ohne Angst vor einem Beweis­wert­verlust haben zu müssen.

Das eGo­­vernment- und eJustice-Gesetz erwähnen das erset­zende Scannen in ihren Ent­würfen aus­drücklich und so stellt sich die (juris­tische) Frage, ob ein ver­läss­licher, „sicherer Scan“ unter Umständen den Beweiswert eines Papier-Ori­ginals haben kann. Es würden (vor allem in den Klein- und Mit­tel­be­trieben) viele hundert Mil­lionen Euro ein­ge­spart werden können und deshalb wird DATEV diese wichtige Frage im Herbst beant­worten. Wie wir das machen?

DATEV plant gemeinsam mit der Uni Kassel (Prof. Roß­nagel) für den Oktober 2013 eine soge­nannte „Simu­la­ti­ons­studie“. Richter einer Zivil- und Finanz­ge­richts­barkeit werden in simu­lierten Fällen, die jedoch einen engen Rea­li­täts­bezug haben, Urteile sprechen, die den Beginn einer „herr­schende Meinung“ in der Recht­spre­chung eta­blieren. Hat erstmal ein Richter ent­schieden, dass z.B. eine Papier-Rechnung weg­ge­worfen werden kann, wenn der Scan unter den Vor­aus­set­zungen XY erfolgt ist, kann das Papier seinen Allein­ver­tre­tungs­an­spruch in Sachen Beweiswert nur noch bedingt auf­recht erhalten.

Nun ist nicht zu erwarten, dass ab November alle Doku­ment­typen nach dem Scan ver­nichtet werden können. Es geht darum einen Anfang zu machen, einen Feldweg zu mar­kieren, der nach­folgend zur Straße wird und schließlich zur Autobahn. Anders kann es übrigens auch gar nicht kommen, wollen wir nicht auf unab­sehbare Zeit par­allel die Ver­sionen in Papier und als eDo­kument archi­vieren, um damit res­sour­cen­öko­no­mi­schen Irrsinn zu stiften.

„Zukunft Gestalten. Gemeinsam“ meinen wir also ernst und werden deshalb unter Ein­be­ziehung der Minis­terien und Behörden, von Kammern und Ver­bänden, den Gerichts­bar­keiten, Anwälten und Sach­ver­stän­digen, von Soft- und Hardware und Pro­zess­be­schrei­bungen im Herbst eine Simu­la­ti­ons­studie abhalten, von der Sie noch hören werden und dann ist der Weg zur Redu­zierung der Akten­berge nicht mehr weit. Bleiben Sie auf diesem Kanal, ich werde Ihnen berichten …

Update 18.11.2013: Das Ergebnis der “Simu­la­ti­ons­studie” finden Sie hier.

Bild:  © Deutschland sicher im Netz e.V.

10 Kommentare zu Angriff auf das Papier-Original

  • Ulrich Volk RA und Notar sagt:

    Erset­zendes Scannen
    Alles gut gemeint, aber die Rea­li­sierung bietet hohe Hürden. Sicherlich Hun­derte von Zivil- und Straf­pro­zessen werden jährlich über die Frage ent­schieden, ob Unter­schriften unter wichtige Doku­mente gefälscht sind oder nicht. Ich kann nur dazu raten, Schrift­sach­ver­ständige etwa der LKA oder BKA an dieser Studie zu beteiligen.Es muss auch beim erset­zendes Scannen mit der bis­he­rigen Tref­fer­quote möglich bleiben, eine bestrittene Urhe­ber­schaft einer Unter­schrift zu beweisen.

    • Wunderlich sagt:

      Hohe Hürden
      … korrekt ! Und darum wollen wir auch nicht mit den höchsten Anfor­de­rungen beginnen, sondern z.B. mit unter­schrifts­losen Mes­sen­be­legen, wie Papier-Rech­nungen, die bei deut­schen KMUs tau­sende von Schrank-Kilo­metern voll_stellen und quasi ein “Beweis­wert­über­an­gebot” mar­kieren, weil das Rech­nungs­wesen den ent­spre­chenden Datensatz ohnehin veri­fi­zieren kann und dazu ein “sicher Scan” vor­liegt … Klar, wir sind noch auf dem Feldweg : -)

  • Holger sagt:

    Doku­men­ten­ma­nagement
    Finde den Begriff “sicherer Scan” sehr gut. Ab wann ist ein Scan “sicher”? Wer ent­scheidet darüber? Sehr inter­essant auch: Man muss natürlich ent­spre­chende Backup Vor­keh­rungen treffen.…ob das gerade Klein­un­ter­nehmen so richtig hin­be­kommen? Hm…bin mir da nicht so sicher. Bin auf jeden Fall sehr auf die Ergeb­nisse der Studie gespannt…

    Nur nebenbei: aus öko­lo­gi­scher Sicht wäre ein solcher Schritt natürlich super.

    • Wunderlich sagt:

      Das Thema auf Heise
      … Sie haben die rich­tigen Fragen gestellt und die werden sämt­lichst von der SIM-Studie beant­wortet, — direkt oder indirekt. Witzig in der Heise-Com­munity zu der Meldung: Die eine Hälfte findet so eine Studie völlig unnötig, die andere Hälfte wundert sich, warum so wichtige Fragen jetzt erst geklärt werden. Das läßt mich ver­muten, dass nicht alle über das Selbe reden und es kein gemein­sames Bild zur Auf­ga­ben­stellung gibt … 😉
      Stimmt, — auch aus öko­lo­gi­scher Sicht gut und über­fällig !

      • Wolfgang Körber sagt:

        Welcher Weg wird’s denn?
        “Die eine Hälfte findet so eine Studie völlig unnötig, die andere Hälfte wundert sich, warum so wichtige Fragen jetzt erst geklärt werden.”
        Wenn ich den Teil­aspekt der Papier­rech­nungen bei KMUs betrachte, die jetzt schon auto­ma­ti­siert gescannt und ver­ar­beitet werden, so wundert mich diese Beur­teilung nicht. Es besteht in diesem Ein­satzfeld scheinbar keine Not­wen­digkeit für das Fest­stellen der 100% Beweis­kraft eines ein­zelnen Doku­mentes — in diesem Falle einer Rechnung – denn eine Rechnung ent­steht halt nicht aus dem ‘Nichts’, es gibt immer beglei­tende Unter­lagen und letzten Endes das IKS des ein­zelnen Kauf­manns. Diese Beur­teilung scheint wohl auch beim BMF ange­kommen zu sein – seither kann eine Rechnung bekanntlich auf fast allen elek­tro­ni­schen Wegen und in diversen For­maten zuge­stellt werden (mal etwas flapsig aus­ge­drückt).
        So gesehen halte ich diese Studie im oben genannten Umfeld für sinnfrei.
        Wesentlich fun­dierter argu­men­tiert dies eben­falls das BITKOM:
        http://bit.ly/BITKOM-Beweiskraft

        • Wunderlich sagt:

          Sinnfrei
          … “sinnfrei” emp­finde ich, dass die teu­erste deutsche Büro­kra­tie­vor­schrift nach sta­tis­ti­schem Bun­desamt die Archi­vierung von Papier­re­chungen ist: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-113750726.html

          Der BITKOM war gestern und vor­gestern bei der Simu­la­ti­ons­studie auch mit dabei und genauso “erkennt­nis­be­geistert”, wie die anderen 50 Teil­nehmer …

          Der Punkt ist: Es braucht mehr rechtlich Klarheit, die sich auch in kon­kreten tech­nisch-orga­ni­sa­to­ri­schen Regeln abbildet und da sind wir einen großen Schritt voran gekommen : -)

          • Wolfgang Körber sagt:

            Es braucht mehr rechtlich Klarheit
            …„Der Punkt ist: Es braucht mehr rechtlich Klarheit, die sich auch in kon­kreten tech­nisch-orga­ni­sa­to­ri­schen Regeln abbildet“
            Ist das wirklich der Punkt, oder wurde uns gesagt, dass das der Punkt ist?

          • Wunderlich sagt:

            Miß­trauen
            … wo kommt denn bloß diese Miß­trauen her ? Ich weiß wirklich nicht was Sie wollen, sorry.

  • Wolfgang Körber sagt:

    Miß­trauen – aus Erfahrung gut
    Miß­trauen – aus Erfahrung gut
    Erfahrung: Kün­digung eines War­tungs­ver­trages für eine Signa­tur­er­stel­lungs­kom­po­nente im Mas­sen­ver­fahren, da keine Signierung beim elek­tro­ni­schen Rech­nungs­versand mehr zum Einsatz kommt.
    Anschließend ca. alle 2 Monate Anrufe des Her­stellers, ob man sich das auch wirklich gut überlegt habe, die Aus­wir­kungen tat­sächlich alle richtig bewertet habe und dergl. mehr. Beim letzten Anruf vor ca. 2 Monaten dann der Hin­weise auf die „Änderung des Anwen­dungs­er­lasses zur Abga­ben­ordnung“ Anfang des Jahres. Das kom­men­tierte Ergebnis: „Ein qua­li­fi­ziert elek­tro­nisch signiertes Dokument ist als Beweis­mittel nahezu unan­greifbar.“ Diese Aussage kann ich im Rahmen der Rech­nungs­er­stellung und Signierung sofort unter­schreiben. Aber genau das ist hier eben nicht der Punkt, wie schon weiter oben geschrieben.
    Hier unter­stelle ich dem Her­steller den legi­timen Wunsch, den Wegfall eines Geschäfts­feldes durch ein neues zu ersetzen. Als ich dann von dieser Simu­la­ti­ons­studie erfuhr war sofort klar, welche Lobby hier am Werk ist. Und eben das erzeugt dann bei mir Miß­trauen in Bezug auf die Moti­vation: Ja soll hier denn wirklich mehr Rechts­si­cherheit geschaffen werden? Wohl kaum – das ist zumindest mein Fazit.
    Und das eine Zusam­men­fassung der „Simu­la­ti­ons­studie“ lautet „Elek­tro­nische Signatur eigentlich uner­heblich“, ist Ihnen sicherlich auch bekannt – siehe http://kurzlink.de/roMHT8Lu4

  • Wunderlich sagt:

    ver­standen !
    Lieber Herr Körber, — vielen Dank für diesen Ein­druck, — jetzt ver­stehe ich Sie besser ! Nehmen Sie mich beim Wort: Beim Erset­zenden Scannen geht es mir um ver­bind­liche Scan-Sicherheit bei den KMUs über Stan­dard­ver­fahren, — die Großen machen das längst. Wir haben jetzt eine belastbare recht­liche Grundlage, um Lösungen eta­blieren zu können, — das wird ein paar Monate dauern, aber in sehr abseh­barer Zeit werden Papier­re­chungen direkt nach einem defi­nierten Scan ver­nichtet werden können, — trans­parent, mit wenig Technik und Zusatz­kosten. Wenn sich das für das KMU nicht lohnt, behält es das Papier einfach, — es muß also sehr günstig sein. Wenn Sie mich direkt adres­sieren wollen: torsten.wunderlich@datev.de — beste Grüße, TW

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Torsten Wun­derlich, DATEV eG

Dipl. Kaufmann (FH)

Seit 2002 bei DATEV, zunächst als Pro­jekt­leitung elek­tro­ni­scher Rechts­verkehr tätig. Seit November 2009 ist Torsten Wun­derlich Leiter des DATEV-Infor­ma­ti­onsbüro Berlin und dort in Gremien, Ver­bänden und poli­ti­schen Aus­schüssen am Ohr der Zeit zu eGo­vernment-Themen und deren IT-Sicher­heits­merk­malen. Oft über­nimmt er die Rolle des “Über­setzers” zwi­schen Tech­nikern, Juristen, Poli­tikern und Betriebs­wirten, die oft keine gemeinsame Sprache in der Sache haben.

 

Koope­ra­ti­ons­partner

Für DATEV sind Daten­schutz und Daten­si­cherheit seit Gründung des Unter­nehmens zen­trale Ele­mente in der Geschäfts­po­litik. Daher enga­giert sich DATEV mit dem Blog für mehr IT-Sicherheit im Mit­tel­stand.

Neueste Kom­mentare