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Löschen im Internet

In regel­mä­ßigen Abständen wird in den Medien über Sinn und Unsinn einer Lösch­taste für das Internet dis­ku­tiert. Nehmen wir mal Facebook, circa 25 Mil­lionen Nutzer gibt es mitt­ler­weile allein in Deutschland. Was geschieht eigentlich mit den Daten, wenn Sie gar nicht mehr wollen, dass diese im Netz auf­findbar sind?

So schwierig es manchmal ist, im Internet gezielte Infor­ma­tionen zu finden, so schwierig ist es ande­rer­seits, Infor­ma­tionen, die einmal „draußen sind“, wieder ein­zu­fangen bzw. dau­erhaft aus dem Internet zu ent­fernen. Die Infor­mation ist zwar momentan viel­leicht nicht für jedermann auf­findbar, aber sie ist zwei­felsohne noch da. Und sie wird even­tuell irgendwann, wenn man gar nicht mehr damit rechnet, wieder hochkommen.

Warum ist es so schwierig, Daten wieder aus dem Internet zu löschen?

Ein Grund hierfür sind bei­spiels­weise die Zwi­schen­speicher von Such­ma­schinen. Selbst wenn Sie Seiten vom Betreiber der Inter­net­seite löschen lassen, bleiben die Ein­träge abrufbar. Der Cache stellt die Infor­mation noch circa vier Wochen zur Ver­fügung. Dum­mer­weise ver­längert sich diese Dauer, sobald der Speicher ange­klickt wird. Wer also nach­prüft, ob ein Eintrag ver­schwunden ist, ver­zögert damit den Lösch­vorgang. Ein anderer Grund dafür ist, dass die Daten, wenn man sie einmal in das Internet los­ge­lassen hat, quasi vogelfrei sind, denn sie können weltweit abge­rufen, beliebig kopiert, kom­bi­niert, ver­ändert und wieder ver­öf­fent­licht werden. Dieser Weg ist häufig nicht mehr nach­voll­ziehbar. Auch nach dem bewussten Löschen bleiben per­sön­liche Daten erhalten und Kopien auf den Servern gespeichert.

Ver­mutlich ist es nun an der Zeit, der Wahrheit ins Auge zu blicken. Nicht immer können wir die Ver­ant­wortung für unser Handeln an andere abgeben. Das Internet ist gren­zenlos. Und das ist ein gewal­tiges Problem. Wollen wir einen Eintrag löschen lassen, geht das unter Umständen noch zügig, wenn der Pro­vider seine Server in Deutschland hat und deut­sches Recht gültig ist. Stehen aber die Server im Ausland, gilt das dortige Inter­net­recht, sofern es über­haupt eines gibt.

Was bedeutet das für den Einzelnen?

Das setzt aber ein sehr eigen­ver­ant­wort­liches und ver­nünf­tiges Handeln in Bezug auf die Daten, die man ver­öf­fent­licht, voraus.  Denn ganz im Gegensatz zu Punkten in Flensburg oder dem Löschen von Ein­trägen aus dem poli­zei­lichen Füh­rungs­zeugnis ver­jährt im Internet nichts. Und jede noch so kleine Eselei, die wir in der Jugend oder einer Par­ty­laune begangen haben, kann eines Tages, wenn wir sie schon längst wieder ver­gessen haben, einfach wieder hoch­poppen und uns in der Gegenwart einen Strich durch unsere Pläne machen. Denken Sie nur an eine Bewerbung, bei der sich das Unter­nehmen über einen Kan­di­daten im Internet infor­miert. Oder einen Kunden, der sich ein Bild über seine Geschäfts­partner machen möchte.

Aber nicht nur die Gren­zen­lo­sigkeit des Internets ist ein Grund für das Über­leben von Daten im Internet. Man muss sich nur mal klar­machen, dass nichts im Internet umsonst ist. Der Preis, den wir für teils „kos­tenlose“ Nutzung zahlen, ist die Wei­ter­ver­wendung unserer Daten.

Unter­nehmen, Uni­ver­si­täten und auch Regie­rungen arbeiten mit den Daten, die sie über uns ein­sammeln. Ein aktu­elles Bei­spiel: Die „Hass­land­karte“, die erst kürzlich von meh­reren Uni­ver­si­täten der  USA ent­worfen wurde. Auf dieser Land­karte ist ersichtlich, in welchen Bun­des­staaten besonders dis­kri­mi­nie­rende oder ras­sis­tische Äuße­rungen ver­breitet  wurden.

Diese Daten sollen erst noch inter­pre­tiert werden, sprechen aber eigentlich schon eine deut­liche Sprache. Außerdem sollte jedem klar sein, dass man solche Land­karten zu allen mög­lichen Daten erstellen kann.

Ebenso können wir auch als Ein­zel­per­sonen in unserem Konsum- und Frei­zeit­ver­halten nahezu nahtlos pro­filed werden. Und man hat auch schon von unde­mo­kra­ti­schen Regie­rungen gehört, die Daten von nicht kon­formen Bürgern sammeln und auswerten.

Das Fazit kann also nur lauten: Daten­spar­samkeit und Eigen­ver­ant­wortung können nicht durch Rege­lungen ersetzt werden. Auch wenn es zwei­felsohne noch einiger gesetz­licher Rege­lungen für das Internet bedarf. Aller­dings ist Deutschland in dieser Hin­sicht bereits ganz gut aufgestellt

Eine Lösch­taste, die uns die Eigen­ver­ant­wortung abnimmt, kann es aber nicht geben.

Bild:  © Gerd Altmann / pixelio.de

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Manuela Moretta, DATEV eG

Über die Autorin:

Diplom-Kauffrau

Seit 1994 tätig bei DATEV eG. Im Bereich IT-Dienst­leis­tungen und Security seit 2005 zuständig für über­grei­fende Kom­mu­ni­kation und Ver­marktung tech­ni­scher Pro­dukt­lö­sungen. Ver­fasst in diesem Kontext regel­mäßig Bei­träge in der Kun­den­zeit­schrift der DATEV und ist Co-Autorin des Leit­fadens „Deutschland sicher im Netz”. Privat Mutter eines „Digital Natives” und „tech­nische Bera­terin” der Unter­nehmer im Bekanntenkreis.

 

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