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eGo­vernment im Wahljahr

Sendepause eGovernment

Noch acht Monate bis zur Bun­des­tagswahl, dann dauert es etwa 6 Monate, bis alle poli­tisch Ver­ant­wort­lichen arbeits­bereit auf den rich­tigen Sesseln sitzen und ein Koali­ti­ons­vertrag von nie­mandem mehr inhaltlich ange­zweifelt wird. Für das eGo­vernment ist somit erst mal poli­tische Sen­de­pause bis Anfang 2014.

Das bedeutet, die poli­ti­schen eGo­­vernment-Impulse finden innerhalb einer Legis­la­tur­pe­riode netto nur 2,5 Jahre statt.

Warum das so ist?
 
Eine neue Regierung ist ambi­tio­niert und will schnell zeigen, dass sie ver­standen hat, wie Zukunfts­ge­staltung aus­sehen muss: Ent­bü­ro­kra­ti­sierung und eGo­vernment werden in hübsche Pro­jekt­namen ver­packt und mit großem medialen Aufwand ange­schoben, bis die PR-Maschine positive Werte zeigt. Dann kommen die Pro­jekte auf die Arbeits­ebene und es zeigt sich schnell, wie komplex die tech­ni­schen, orga­ni­sa­to­ri­schen und poli­ti­schen Impli­ka­tionen sind. Ist dann nach 2,5 Jahren die Wahl­kampf­ma­schine wieder am Start, ist es poli­tisch wenig Erfolg ver­spre­chend, die ange­kün­digten und ange­fan­genen eGo­­vernment-Pro­­jekte zu the­ma­ti­sieren, bei denen oft die Euphorie der Ernüch­terung gewichen ist. Bleibt also nur eine poli­tische Sen­de­pause, bis eine neue Regierung im Frühjahr 2014 neue Pro­fi­lie­rungs­be­reit­schaft zeigt. Ein unguter Zyklus für ambi­tio­nierte eGov-Pro­­jekte, die nicht selten im Nie­mandsland der öffent­lichen Wahr­nehmung ver­schwinden.

Was ist zu tun?

Nüchtern betrachtet benötigt kein eGo­­vernment-Projekt öffent­liche Auf­merk­samkeit, wenn denn das ent­spre­chende Anwen­dungs­sze­nario wirklich gut ist, d.h. von den Nutzern ange­nommen wird, bzw. nach­weißlich Effi­zienz- und Bequem­lich­keits­vor­teile bringt. Die Arbeits­ebene sollte also den eGov-PR-Zyklus nach Mög­lichkeit igno­rieren und einfach a r b e i t e n. Natürlich sind poli­tische eGov-Impulse nicht unwichtig, aber über Erfolg und Miss­erfolg eines eGov-Pro­­jektes ent­scheiden diese selten. Bei­spiel: Bis auf die Linke haben alle Bun­des­tags­par­teien über 10 Jahre aktiv an ELENA „mit­ge­ar­beitet“ und so konnte hier aus­nahms­weise keiner mit dem Finger auf andere zeigen. Die Ein­stellung des Pro­jektes war den Tages­themen lediglich eine 20-Sekunden-Meldung wert, — das ELENA-Ende kam kurz vor dem Wet­ter­be­richt und erschien ähnlich unab­wendbar. Hun­dert­tau­sende von Unter­nehmen waren über Monate und Jahre schwer genervt von ELENA, aber nichts ist so schön, wie der nach­las­sende Schmerz und so gab es auch hier wenig empörte Nachrufe.

Der eigenen Idee treu sein und nicht auf die Politik warten

Das über den neuen Per­so­nal­ausweis (nPA) abge­si­cherte DATEV-Arbeit­­neh­­mer­­portal, welches ein monat­liches Potenzial für 11 Mil­lionen Löhne& Gehälter, Sozi­al­ver­si­che­rungs­nach­weise etc. bietet, hätte für DATEV genug an Begrün­dungen geboten, auf die Politik zu warten. Der nPA hat noch einige (!) Bau­stellen und braucht somit noch einen langen Atem. Statt darauf zu warten, sind wir unserer Idee gefolgt und am 01.01. damit an den Start gegangen: Ich nenne das Arbeit­neh­mer­portal gerne auch „Volks­Cloud“ — wichtige Doku­mente in einem hoch­si­cheren Rechen­zentrum, das über den neuen Per­so­nal­ausweis zugänglich ist. Meines Wissens haben Ebay und Google auch nicht auf die Politik gewartet 😉

Anmerkung: Bei einer sechs­jäh­rigen Legis­la­tur­pe­riode und z.B. acht statt sechszehn Bun­des­ländern würden sich die Digi­ta­li­sie­rungs­pro­zesse im eGo­vernment deutlich beschleu­nigen lassen. Aber natürlich bin ich nicht der Erste, der das Unmög­liche for­mu­liert …

Bild: © Gerd Altmann / pixelio.de

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Torsten Wun­derlich, DATEV eG

Dipl. Kaufmann (FH)

Seit 2002 bei DATEV, zunächst als Pro­jekt­leitung elek­tro­ni­scher Rechts­verkehr tätig. Seit November 2009 ist Torsten Wun­derlich Leiter des DATEV-Infor­ma­ti­onsbüro Berlin und dort in Gremien, Ver­bänden und poli­ti­schen Aus­schüssen am Ohr der Zeit zu eGo­vernment-Themen und deren IT-Sicher­heits­merk­malen. Oft über­nimmt er die Rolle des “Über­setzers” zwi­schen Tech­nikern, Juristen, Poli­tikern und Betriebs­wirten, die oft keine gemeinsame Sprache in der Sache haben.

 

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