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Netz­neu­tra­lität II

gibt es auch bald fürs Internet eine Maut?

Wird durch eine Maut für die digitale Autobahn wirklich alles besser? Werden die grund­sätz­lichen Pro­bleme damit gelöst oder nicht sogar noch ver­schärft? Was bringt eine Prio­ri­sierung im Internet und welche Gefahren birgt das Spiel mit der Ungleich­be­handlung von Daten?

Nachdem in Teil 1 “Gleiches Recht für alle auf der digi­talen Autobahn?” der Bei­trags­serie zur Netz­neu­tra­lität eine grund­le­gende Erläu­terung des Themas statt­ge­funden hat, soll nun auf mög­liche Aus­wir­kungen ein­ge­gangen werden. Doch ist dabei nur von nega­tiven Ein­schrän­kungen aus­zu­gehen oder bietet die Aus­dif­fe­ren­zierung nach Daten­arten nicht auch positive Aspekte?

Um die Aus­wir­kungen einer Ein­schränkung bzw. Auf­hebung der Netz­neu­tra­lität deutlich machen zu können, müssen zunächst einmal die zwei ver­schie­denen Dimen­sionen der Dif­fe­ren­zierung kurz erläutert werden. Zum einen ist das die rein tech­nische Unter­scheidung je nach Datentyp (also Text, Audio, Video, etc.) mit der dazu­ge­hö­rigen Geschwin­digkeit und zum anderen die Auf­teilung je nach Bezahlung für den ent­spre­chend ver­wen­deten Datentyp.

Doch wozu diese Auf­glie­derung nach Datentyp oder Bezahlung?

Die rein tech­nische Unter­scheidung von Daten und die ent­spre­chende Prio­ri­sierung je nach benö­tigter Geschwin­digkeit sind als unpro­ble­ma­tisch anzu­sehen. Denn es liegt auf der Hand, dass es keinen Unter­schied für den User macht, ob Daten vom Typ ‚Text‘ (z. B. E‑Mail, Aufruf einer Inter­net­seite) mit klei­nerer Ver­zö­gerung durch die Infra­struktur des Internets trans­fe­riert werden oder nicht. Bei Audio- bzw. Video­daten (z. B. Streaming) sieht das wie­derum ganz anders aus: niemand möchte Aus­setzer oder Ver­bin­dungs­ab­brüche bei Ton/Video erleben, sondern diese Dienste in Echtzeit ohne Ein­schrän­kungen genießen können. Daher gibt es eine Klas­si­fi­zierung der unter­schied­lichen Dienst­güten (sog. ‚Quality of Service‘) und deren Anfor­de­rungen, die als Grundlage für eine tech­ni­schen Prio­ri­sierung dienen können. Aber es gibt eben noch eine weitere Dimension: die Bezahlung. Durch die Preis­de­ckelung für den Inter­net­zugang (anhand der Band­breite) sowohl auf Seite der Anwender als auch der Anbieter von Inhalten unab­hängig vom eigent­lichen Daten­transfer, sta­gniert der Netz­ausbau der Inter­net­in­fra­struktur.

Welche Optionen haben die Netz­be­treiber bei fixen Kapa­zi­täten?

Auf der Seite der End­an­wender hat sich aus Erfahrung gezeigt, dass zumindest beim sta­tio­nären Internet im Durch­schnitt bei einer Flatrate mehr für den Anschluss bezahlt wird, als er tat­sächlich genutzt wird.

Das Problem liegt eher bei den Anbietern von Inhalten. Diese bezahlen bislang lediglich für den Inter­net­zugang, aber eben nicht für die Daten­menge, die sie ins Internet ein­speisen. Somit kann jeder Anbieter, der sich diesen Zugang leisten kann, seine Inhalte im Internet bereit­stellen.

Nun erwägen die APs (=Access Pro­vider, Netz­an­bieter), dieses Preis­gefüge zu ändern, um an der rasant stei­genden Daten­menge zu par­ti­zi­pieren. Helfen soll dabei die zusätz­liche Bezahlung der Daten­menge, die ein Anbieter von Inhalten für das Internet ver­fügbar macht. Daraus ergibt sich aller­dings der Nachteil, dass somit nicht mehr alle Inhalte bei allen APs zur Ver­fügung stehen und auch nicht alle Anbieter ihre Inhalte über­haupt anbieten können, da nur finan­ziell gut situ­ierte Anbieter fähig sind, sich diesen Mehr­aufwand zu leisten. Letztlich werden dadurch gewisse Inhalte aus dem Internet ver­drängt, da die eta­blierten Anbieter leich­teres Spiel haben als kleinere.

Primär möchten also die APs die Anbieter von Inhalten stärker zur Kasse bitten, da diese für den wach­senden Daten­verkehr haupt­sächlich ver­ant­wortlich sind. Aber sollte dieses Preis­system nicht zum gewünschten Erfolg bei den APs führen, bietet sich immer noch die Mög­lichkeit, die Prio­ri­sierung bei der Über­tragung von Inhalten der ver­schie­denen Anbieter innerhalb des Internets einer Preis­dif­fe­ren­zierung zu unter­ziehen. Wer ein Internet mit schneller Daten­über­tragung wünscht, wird somit wohl tiefer als gewohnt in die Tasche greifen müssen, da in diesem neuen System lediglich ein ‚Schmalspur-Internet‘ zum Basis­preis übrig bleiben wird. Wer genau das dann wie­derum bezahlen soll, ist bislang jedoch noch unklar.
Einen kleinen Aus­blick auf die künftige Ent­wicklung des Internets auf­grund der Besei­tigung von Netz­neu­tra­lität gibt das Video von zdf.kultur unten.

Netz­neu­tra­lität I + Netz­neu­tra­lität II = Preis­dif­fe­ren­zierung?

An dieser Stelle muss eine kurze Zusam­men­fassung erfolgen: dass eine rein tech­nische Aus­dif­fe­ren­zierung nach Daten­typen unstrittig im Sinne jedes Inter­net­an­wenders ist, sollte im Laufe des Bei­trags hof­fentlich klar geworden sein. Pro­ble­ma­tisch wird es dann, wenn die Ungleich­be­handlung von Daten zu einer Fil­terung bzw. Benach­tei­ligung kleiner Anbieter von Inhalten wird. Ob die erwähnte Preis­dif­fe­ren­zierung letztlich der End­an­wender in Form von höheren Preisen oder die Anbieter von Inhalten durch eine Betei­ligung an diesen Kosten bezahlen muss, wird sich wohl erst noch im Laufe der Zeit her­aus­stellen müssen.

Ob es bereits zu solchen Ein­griffen in die Netz­neu­tra­lität kommt und wie ein­zelne Staaten mit diesem Thema umgehen, lesen Sie in Teil 3 dieser Bei­trags­serie, der Mitte Oktober erscheinen wird.

Teil 1 der Serie zur Netz­neu­tra­lität finden Sie hier: Gleiches Recht für alle auf der digi­talen Daten­au­tobahn

Teil 3 der Serie zur Netz­neu­tra­lität finden Sie hier: Netz nicht neutral!

Bild:  © espana-elke / pixelio.de

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Walter Leon­hardt, DATEV eG

Dipl. Infor­ma­tiker (FH). Hat Technik von der Pike auf in seiner Aus­bildung zum Nach­rich­ten­ge­rä­te­me­cha­niker und Fein­ge­rä­te­elek­tro­niker gelernt. Nach seinem Studium der Infor­matik begann er 1990 bei DATEV in den Bereichen Ent­wicklung und Grund­satz­stra­tegien. Mitt­ler­weile leitet er die Abteilung IT-Research im Bereich Stra­te­gische Unter­neh­mens­ent­wicklung und beschäftigt sich mit der Vir­tua­li­sierung von Com­pu­ter­res­sourcen, der digi­talen Rech­te­ver­waltung oder Workflow-Management-Sys­temen.

 

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