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Netz­neu­tra­lität I

Neutralität auf der digitalen Datenautobahn

Für den rei­bungs­losen Daten­fluss im Internet ist eine aus­rei­chende und stabile Netz­in­fra­struktur essen­tiell. Welche Rolle spielt die Gleich­be­handlung von Daten? Welche Kon­se­quenzen hätte eine Priorisierung?

 

 

Über das Thema Netz­neu­tra­lität wird in der Öffent­lichkeit immer wieder heiß debat­tiert. Deshalb greifen wir in dieser Blog-Bei­­trags­­­serie fol­gende Aspekte auf: Was ver­birgt sich dahinter, welche Aus­wir­kungen hat eine Beein­flussung dieser Neu­tra­lität und wo finden bereits erste Ein­schrän­kungen statt?

Um die grund­le­gende Pro­ble­matik von Netz­neu­tra­lität leichter ver­ständlich zu machen, hilft fol­gende Ana­logie: auf einer Autobahn gibt es ein­heit­liche Ver­kehrs­re­ge­lungen, z.B.  die Geschwin­dig­keits­be­grenzung. Diese gilt für alle PKWs, unab­hängig von Größe, Farbe, Form und Aus­stat­tungs­merk­malen. Die Autobahn selbst wird von einem Betreiber bereit­ge­stellt und verfügt nur über eine begrenzte Kapa­zität, mit der sie von Autos befahren werden kann. Grund­sätzlich ist der Betreiber für die Instand­haltung und den not­wen­digen Ausbau ver­ant­wortlich. Ziel­setzung beim Befahren einer Autobahn ist natürlich die mög­lichst rei­bungslose (also stau­freie) Fahrt von Aus­gangs­punkt A zu Zielort B. Dies kann heut­zutage durch diverse Ver­kehrs­leit­systeme, die bei Eng­pässen oder Unre­gel­mä­ßig­keiten (z.B. einem Unfall) kor­ri­gierend ein­greifen, gewähr­leistet werden.

Worin liegt nun die eigent­liche Analogie?
Die Autobahn steht für die Netz­in­fra­struktur des Internets (sog. ‚digitale Daten­au­tobahn‘). Auch diese Infra­struktur wird von einem Netz­be­treiber (sog. ‚Access Pro­vider‘ (AP)) bereit­ge­stellt, der die nahezu iden­ti­schen Auf­gaben wie bei einer Autobahn inne hat (Instand­haltung, Ausbau, etc.). Dieser AP lässt sich die Nutzung seiner Anlagen gemäß des ent­spre­chenden Gebrauchs bezahlen (analog: ‚Auto­bahnmaut‘). Er kann in Anlehnung an eine Art Ver­kehrs­leit­system den Daten­fluss anhand von Routing innerhalb seines Netzes kon­trol­lieren und somit Stö­rungen bzw. Aus­fälle berück­sich­tigen, um trotzdem einen beinahe unein­ge­schränkten Daten­strom sicher­zu­stellen. Ein Daten­strom besteht aus einer Abfolge ein­zelner Daten­pakete, die stell­ver­tretend für oben erwähnte PKWs anzu­sehen sind. Der ‚Fahrer‘ eines solchen Daten­pa­ketes, also der eigentl. Inter­net­nutzer (sog. ‚User‘), ver­folgt das gleiche Ziel wie auf der Autobahn (vgl. oben): Schnell und sicher am Zielort anzu­kommen. Neu ist aller­dings der sog. ‚Internet Service Pro­vider‘. Er stellt eine Art Inter­mediär zwi­schen digi­taler Daten­au­tobahn und dem User dar. Er gewähr­leistet, dass Daten­pakete korrekt ent­ge­gen­ge­nommen und an den rich­tigen Emp­fänger adres­siert werden.

Und wodurch ist Netz­neu­tra­lität gefährdet?
Das Grund­problem liegt in der begrenzten Kapa­zität der Netz­in­fra­struktur: durch den aktu­ellen Trend der sog. ‚Internet-Fla­t­­rates‘ bei sta­tio­nären Inter­net­an­schlüssen findet die Abrechnung nicht mehr gemäß der Nutzung statt, sondern ist mit einem festen Geld­betrag (meist monat­liche Abrechnung) gede­ckelt, unab­hängig von der tat­säch­lichen Nutzung. Gleich­zeitig steigt die Inter­net­nutzung mit sehr Daten­in­ten­siven Anwen­dungen (Streaming, VoIP, Video­kon­fe­renzen, etc.) zusätzlich zu den eher kon­ser­va­tiven Appli­ka­tionen (E‑Mail, Inter­net­surfen, etc.) stark an und bringt somit lang­fristig die Netz­in­fra­struktur an seine Grenzen. Der AP ist also daran inter­es­siert, die Daten­ströme innerhalb seines Netzes zu prio­ri­sieren, um darüber die Preis­de­ckelung mög­lichst auf­zu­heben. Anhand dieser Prio­ri­sierung könnte der AP die Über­tra­gungs­ge­schwin­digkeit ein­zelner Daten­pakete bzw. ‑ströme beein­flussen und je nach benö­tigter Geschwin­digkeit sein Preis­modell dif­fe­ren­zieren, um seinen eigentl. Pflichten (vor allem Netz­ausbau) besser nach­gehen zu können. Hinzu kommt der Umstand, dass seit geraumer Zeit der mobile Zugang über Smart­phones bzw. Tablets expo­nen­tiell steigt, was wie­derum zu einer zusätzlich Kapa­zi­täts­aus­reizung der Netz­in­fra­struktur führt. An dieser Stelle sei jedoch erwähnt, dass der mobile Inter­net­zugang bereits einen Son­derfall dar­stellt, der in Teil 3 näher erläutert wird.

Welche Aus­wir­kungen diese Beein­flussung der Daten­ströme hat und wo es bereits zu solchen Ein­griffen in die Netz­neu­tra­lität kommt, lesen Sie in Teil 2 bzw. 3 dieser Beitragsserie.

Teil 2 der Serie “Netz­neu­tra­lität” ist am 1. Oktober unter dem Titel “Aus­wir­kungen der Inter­netmaut auf Netz­be­treiber und User” erschienen.

Teil 3 der Serie “Netz­neu­tra­lität” ist am 26. Oktober unter dem Titel “Netz nicht neutral” erschienen.

Bild:  © Mat­thias Mit­ten­entzwei / pixelio.de

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Walter Leon­hardt, DATEV eG

Dipl. Infor­ma­tiker (FH). Hat Technik von der Pike auf in seiner Aus­bildung zum Nach­rich­ten­ge­rä­te­me­cha­niker und Fein­ge­rä­te­elek­tro­niker gelernt. Nach seinem Studium der Infor­matik begann er 1990 bei DATEV in den Bereichen Ent­wicklung und Grund­satz­stra­tegien. Mitt­ler­weile leitet er die Abteilung IT-Research im Bereich Stra­te­gische Unter­neh­mens­ent­wicklung und beschäftigt sich mit der Vir­tua­li­sierung von Com­pu­ter­res­sourcen, der digi­talen Rech­te­ver­waltung oder Workflow-Management-Systemen.

 

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